Doppelt so groß – noch nähere Einblicke Schaut Euch die neue Giraffenanlage an

Groß denken und hoch bauen – das können die Kölner mindestens seit dem Dombau. Auch im Kölner Zoo geht es hoch hinaus. Jetzt ist hier die neue Heimat der Giraffen, der höchsten Landtiere der Erde, eröffnet worden. Basis war die Vorgänger-Anlage aus den 60er Jahren. Sie wurde in rd. zwei Jahren Bauzeit und für Bruttokosten von rd. 6,5 Mio. Euro komplett kernsaniert und wesentlich erweitert.

„Viel mehr Platz für die Tiere. Neue und nahe Einblicke für unsere Gäste. Spannende Edukation, bei der man mehr über die Biologie der Tiere, ihre Bedrohung und ihren Schutz mitnimmt: Die Anlage vereint all das, was moderne Zoos heute bieten“, so Prof. Theo B. Pagel und Christopher Landsberg, Vorstände des Kölner Zoos bei der Eröffnung. Zusätzlich ist das Haus mit einem Schutzprojekt für Giraffen in Kenia verknüpft, das der Zoo bereits länger unterstützt.

Hohe Standards für hohe Tiere – doppelt so viel Platz, energetisch auf neuestem Stand
Der Giraffen-Innenbereich wuchs durch einen Anbau und neue, multifunktionale Raumaufteilungen auf mehr als 1.000 qm2 – nahezu doppelt so viel wie früher. Dadurch bieten sich viele zusätzliche Möglichkeiten für ein noch verhaltensgerechteres Management der höchsten Landsäuger der Erde. So z.B. durch mehr Bewegungsfreiheit und Auslauf, neun variable Innenfutterkörbe in „Giraffenhöhe“, den Einbau einer Wand für medizinische Trainings sowie einer Waage für regelmäßige Gewicht-Check-ups. Die Innenhalle stellt dank ihrer Größe und der tageslichtdurchlässigen Decke vor allem in den Wintermonaten eine deutliche Verbesserung in der Haltung dar.

Auch der Außenbereich ist nahezu um das Doppelte gewachsen. Er bietet u.a. Futteraufhängungen und ein für Gäste gut sichtbares Trinkbecken. Auf der Außenanlage werden künftig auch Mhorr-Gazellen leben und zwischen der anschließenden Anlage für Spitzmaulnashörner und dem Giraffenbereich frei hin- und herwechseln können.

Groß gedacht wurde auch für die Zoogäste. Für sie ist u.a. eine neue Aussichtsplattform entstanden, auf der man Giraffen zukünftig zu bestimmten Zeiten „Auge in Auge“ begegnen und mitfüttern kann. Das neue Edukationskonzept für Jung und Alt sorgt für spannende Aha-Momente rund um die afrikanischen Riesen. Zudem wurde die gesamte Technik des Vorgängerbaus auf neuesten Stand gebracht und energetisch optimiert. Dazu zählen der Anschluss an die Fernwärme, die Errichtung einer Photovoltaikanlage und ein Gründach. Darunter werden sich nicht nur Giraffenköpfe tummeln. Denn zu den riesigen Giraffen ziehen bald erstmals auch Nacktmulle, also sehr kleine Tiere, in eine neue Anlage im Innenbereich ein. Ihre künftigen Nachbarn, die in Zoos nur selten gehaltenen madagassischen Ringelschwanzmungos, erhalten ebenfalls neue Innen- und Außengehege.

Willkommen „Penda“ und „Maoli“: Aufbau einer Kordofan-Giraffen-Gruppe – 50 cm lange Zunge, 50km/h schnell
Die Anlage ist für einen Giraffen-Bullen und seine bis zu drei Weibchen mit ihren Jungtieren ausgelegt. Den Anfang machen „Penda“ und „Maoli“. Die beiden siebenjährigen Weibchen zählen zu den Kordofan-Giraffen (Giraffa camelopardalis antiquorum). Sie kamen Anfang der Woche auf Empfehlung des Zuchtbuchkoordinators für diese Unterart aus dem Dortmunder Zoo nach Köln. „Penda“ wurde am 22. Dezember 2018 im Zoo Basel, Schweiz, geboren. Im Alter von 2,5 Jahren zog sie in den Dortmunder Zoo. „Maoli“ kam am 13. Januar 2019 im Zoo von La Fleche, Frankreich, zur Welt und im Alter von zwei Jahren nach Dortmund. Die beiden gleichaltrigen Kühe sind eng miteinander vertraut und auch daher im Doppelpack aus dem Ruhrgebiet ins Rheinland gezogen. Schon bald wird ein Bulle folgen, sodass irgendwann auch die Erhaltungszucht bei dieser vom Aussterben bedrohten Giraffenart in Köln beginnen kann.

Kordofan-Giraffen sind eine Unterart der Nord-Giraffen. Sie kommen in der Zentralafrikanischen Republik, in Kamerun, dem Tschad, der Demokratischen Republik Kongo sowie im Süd-Sudan vor. Die Wildbestände sind in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Erhebungen zufolge gibt es nur noch 1.400 fortpflanzungsfähige Kordofan-Giraffen – ein dramatischer Schwund. Gründe sind vor allem Lebensraumzerstörung und illegale Bejagung. Kordofan-Giraffen sind etwas kleiner als andere Giraffen-Unterarten. Sie brauchen Baumsavannen, da sie auf Blätter, Knospen, Zweige und Rinde als Futter spezialisiert sind. Mit ihrer etwa 50 cm langen Zunge kommen sie auch an schwer erreichbare Äste. Sie leben in kleinen Herden, die von den ältesten Kühen angeführt werden. Kordofan-Giraffen werden bis zu 6 Meter groß und knapp 1 Tonne schwer. Trotzdem erreichen sie bei Fluchtbewegungen ein Tempo von mehr als 50 km/h.

Kölner Zoo fördert Giraffenschutzprojekt in Kenia – heute wieder 200 Giraffen
Um den Lebensraum von Giraffen zu schützen und die Wildbestände zu stärken, unterstützt der Kölner Zoo seit drei Jahren ein Bildungsprojekt zur Vermeidung von Mensch-Tier-Konflikten im kenianischen Teil der Serengeti, der Massai Mara. Pro Jahr stellt der Kölner Zoo dafür 15.000 Euro bereit. Gemeinsam mit der Kölner NGO „Chance e.V.“ fördert der Zoo die Mara Siana Conservancy, ein von den dort lebenden Menschen verwaltetes Gebiet von rd. 6.000 Hektar mit ca. 2.000 Massai-Familien. Diese verpachten im Rahmen der Kooperation einen Teil ihres Landbesitzes an das Schutzprojekt. Dadurch entstehen wieder wichtige Wanderkorridore für Giraffen und andere Wildtiere. Im Gegenzug erhalten die Dorfgemeinschaften finanzielle Unterstützung und Einnahmen aus Tourismuseinkünften sowie praktische Hilfe beim Schutz ihrer Nutztierherden, die früher oft von Wildtieren gerissen wurden.

Der Kölner Zoo finanziert einen lokalen Lehrer und entwickelt mit ihm gemeinsam Bildungsmaterialien für Erwachsene und Kinder, um die Massai nachhaltig von diesem ganzheitlichen Ansatz im Sinne aller zu überzeugen. Dazu tragen auch die Erfolge des Schutzprojekts bei: Laut des Direktors der Conservancy und Hauptkoordinators der Arbeit vor Ort, Rimoine Ole Kararei, leben im Gebiet der Mara Siana Conservancy inzwischen wieder rd. 200 Giraffen – vor zehn Jahren gab es keine mehr.